In der Fütterung steht die Schmalblättrige Lupine in direkter Konkurrenz zum Sojaextraktionsschrot (SES), dessen Rohproteingehalt um die 44 % (bei 88 % TS) von keiner heimischen Körnerleguminose erreicht wird. Soll aber bewusst auf Importsoja verzichtet werden, z.B. im Biobereich oder im Marktsektor „ohne Gentechnik“ oder verstärkt auf regional produziertes Futter gesetzt werden, führt kein Weg an den heimischen Körnerleguminosen vorbei. Dabei zeigen sich die Vorteile der Schmalblättrigen Lupine gegenüber den anderen Körnerleguminosen: sie weist mit durchschnittlich 30 % (in 88 % TS) den höchsten Proteingehalt vor Ackerbohne und Erbse auf. Noch höhere Proteingehalte erreichen die Gelbe und Weiße Lupine (im Mittel 38 bzw. 33 %), die jedoch nur sehr begrenzt im Anbau sind. Da der Proteingehalt der Lupinen erheblich in Abhängigkeit von der Sorte, dem Standort und dem Erntejahr variieren kann, sind für eine bedarfsgerechte Proteinversorgung unbedingt aktuelle Analysenergebnisse bei der Rationsplanung heranzuziehen.

Nährstoff- und Energiegehalt von Eiweißfuttermitteln im Vergleich

Nährstoff- und Energiegehalt von Eiweißfuttermitteln im Vergleich (in kg mit 88 % TS)

SESRapsextraktions-
schrot (RES)
Schmalblättrige
Lupine
Acker-
bohne
Erbse
Rohasche(g)6068323533
Rohprotein(g)440335295264220
Rohfett(g)1326481413
Rohfaser(g)601141437757
aNDF om(g)16727522313592
ADF om(g)10619118711170
Stärke(g)60053365418
Zucker(g)9571493553
MESchwein(MJ)13,09,813,513,013,8
MEGeflügel(MJ)9,57,07,811,111,5
MERind(MJ)12,110,612,512,011,8
NELRind(MJ)7,66,57,87,67,5
UDP(% XP)3035201515
nXP(g)259222193171163
RNB(g)+30+18+16+15+9
Calcium(g)3,07,71,81,20,9
Phosphor(g)6,410,62,84,84,1
Natrium(g)0,20,50,40,20,2
Magnesium(g)2,75,21,71,41,3
Nährstoffgehalte: DLG Futterwerttabelle Schwein 2014
Nährstoffverdaulichkeiten Wiederkäuer und UDP: DLG-Futterwerttabelle Wiederkäuer 1997 bzw. für RES und SES aktualisiert (DLG 2011)
ADF und aNDF der Körnerleguminosen: UFOP-Monitoring 2


Im Gegensatz zur Ackerbohne und Erbse enthalten Lupinen nahezu keine Stärke, dafür aber deutlich mehr Faserkomponenten (Rohfaser, Neutral- und Säure-Detergenzien-Faser aNDFom und ADFom). Wegen der geringen Lignifizierung ist die Rohfaser für Wiederkäuer dennoch hoch verdaulich. Beim Monogaster wird häufig der hohe Gehalt der Nicht-Stärke-Polysaccharide (durchschnittlich bei 390 g/kg bei 88 % TS) als einsatzbeschränkend beschrieben. Vorrangig wurden hier beim Geflügel negative Effekte auf die Futteraufnahme, die Nährstoffverdaulichkeit und das Energielieferungsvermögen nachgewiesen. Hingegen wird die Faserversorgung beim Schwein im Hinblick auf die Darmgesundheit und das Wohlbefinden heute anders bewertet als noch vor einigen Jahren. Ein gewisser Anteil an dickdarmfermentierbaren Faserstoffen kann eine gesunde Darmflora unterstützen. Das hohe Wasserbinde- und Quellvermögen der Lupinenfasern führt beim Schwein zu einem höheren Volumen des Verdauungsbreies und zu einer längeren Sättigung, was in gewissen Anteilen zum Wohlbefinden des Tieres beiträgt. Unter den üblichen Rationsanteilen ist von keinen negativen Auswirkungen der NSP auszugehen.

Charakteristisch für die Lupine ist zudem ihr hoher Fettgehalt, der sich einerseits positiv auf den Energiegehalt auswirkt, andererseits aber bei der Lämmer- und Milchkuhfütterung einkalkuliert werden muss. Der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren (PUFA) ist ernährungsphysiologisch vorteilhaft und kann auch das Fettsäuremuster der Milch positiv beeinflussen. Im Hinblick auf die Fleischqualität muss er jedoch in der Schweinefütterung berücksichtigt werden, wenn weitere Komponenten mit hohen PUFA-Anteilen verfüttert werden. Aus den Nährstoffgehalten und -verdaulichkeiten resultieren für die Schmalblättrige Lupine hohe Energiewerte für Schweine. Beim Wiederkäuer übersteigt der Energiewert sogar das Sojaextraktionsschrot, wobei in Hammelversuchen für die Lupine teilweise noch höhere Werte ermittelt wurden. Der Energiewert für Geflügel ist dagegen vorwiegend aufgrund des hohen NSP-Anteils relativ gering.

Die Mineralstoffgehalte der Körnerleguminosen sind im Vergleich zu den Extraktionsschroten durch geringere Calcium- und Phosphorgehalte charakterisiert. In Verfahren der P-reduzierten Fütterung ist dies ein Vorteil. Im Vergleich zu Tabellenwerten weist das UFOP-Körnerleguminosenmonitoring (2015) für die Schmalblättrige Lupine jedoch höhere Ca- und P-Werte aus.

Der Proteinwert wird beim Wiederkäuer vorrangig durch die Abbaubarkeit im Pansen bestimmt (UDP = im Pansen nicht abbaubares Protein). Diese ist bei der Schmalblättrigen Lupine etwas geringer als bei Erbse und Ackerbohne (UDP 20 bzw. 15 % des XP), wobei auch hier laboranalytisch erhebliche Spannbreiten festgestellt wurden. In Kombination mit dem hohen Energiegehalt liegt auch der Gehalt an nutzbarem Protein (nXP) der Schmalblättrigen Lupine etwas über den anderen heimischen Körnerleguminosen, aber deutlich unter dem SES. Bei hohen Milchleistungen kann der relativ geringe UDP- und mittlere nXP-Gehalt von unbehandelten Lupinen leistungsmindernd wirken. Zudem ist der hohe RNB-Wert (ruminale Stickstoffbilanz) bei der Rationskalkulation zu berücksichtigen.

Proteinqualität und praecaecale Aminosäureverdaulichkeit

In der Schweine- und Geflügelfütterung wird die Proteinqualität durch die Aminosäure-zusammensetzung und -verdaulichkeit charakterisiert. Das Lupinenprotein weist wie alle heimischen Körnerleguminosen einen geringen Gehalt an schwefelhaltigen Aminosäuren auf, weshalb eine Kombination mit Rapsprodukten sinnvoll ist. Berücksichtigt man den vergleichsweise hohen Proteingehalt sowie die hohe praecaecale (pc) Aminosäure-verdaulichkeit der Schmalblättrigen Lupine, ergeben sich im Vergleich zu den anderen heimischen Körnerleguminosen leichte Vorteile im Gehalt an pc verdaulichem Methionin+Cystin, Threonin und Tryptophan je kg (bei 88 % TS), aber deutlich geringere Gehalte als im SES. Um 1 kg SES zu ersetzen, benötigt man für den äquivalenten Austausch des Lysins und der schwefelhaltigen Aminosäuren etwa die doppelte Menge an Schmalblättrigen Lupinen.

Gehalte an praecaecalen verdaulichen Aminosäuren von Körnerleguminosen
(g/kg mit 88 % TM)


Bei der Beurteilung des Futterwertes und der Festlegung von maximalen Einsatzgrenzen ist neben dem Nährstoff- und Aminosäurengehalt der Gehalt an spezifischen antinutritiven Substanzen zu beachten. Einsatzbegrenzend sind bei der Lupine neben den bereits diskutierten NSP die Alkaloide, die bei der Schmalblättrigen Lupine züchterisch auf deutlich < 0,05 % reduziert wurden, wodurch der Einsatz dieser Süßlupine auch in der Monogaster-fütterung möglich ist. Vorsicht ist beim Eigennachbau angebracht, da hierbei erhöhte Alkaloidgehalte nicht auszuschließen sind. Auch scheinen besondere Jahres- bzw. Witterungseffekte einen erhöhten Alkaloidgehalt zu ermöglichen.


Autorin:
Antje Priepke (LFA Mecklenburg-Vorpommern)