Lupinen sind in der Fütterung vielfältig einsetzbar. Wichtig sind in jedem Fall eine exakte Rationskalkulation auf Basis der tatsächlichen
Nährstoffgehalte und die Vermeidung abrupter Futterwechsel.

Während im mittleren Leistungsbereich der Milchkühe Süßlupinen als alleinige Eiweißergänzung im Kraftfutter einsetzbar sind, ist im Hochleistungsbereich der Milchkühe die Ausstattung mit nicht abbaubarem Rohprotein ein begrenzender Faktor. Mit steigender Leistung nimmt der Bedarf an nXP zu. Dieses muss zunehmend aus pansenstabilem Protein (UDP) bestehen, da die Mikrobenproteinbildung je MJ ME konstant bleibt und die Energieaufnahme durch die Futteraufnahme begrenzt wird. In Kombination der Süßlupine mit Rapsextraktionsschrot können bei fachgerechter Rationsoptimierung und Berücksichtigung der RNB-Werte Milchleistungen von > 40 kg je Kuh und Tag erzielt werden (Engelhard 2016, 2017). Besondere Bedingungen gelten unter ökologischen Produktionsbedingungen bei hohen Anteilen an Grassilage in der Ration. Da hier die Möglichkeit der Verfütterung von Extraktionsschroten mit höheren UDP-Anteilen im Protein nicht gegeben ist, sind der anteilige Ersatz von Silagen durch Heu bzw. Trockengrün oder die thermische Behandlung der Lupine eine Möglichkeit zur Erhöhung des UDP-Anteils. Dabei sollte die Kosten-Nutzen-Relation geprüft und weitere alternative Öko-Futtermittel wie Treber, Schlempen und Trester mit einbezogen werden (Engelhard 2017). Eine Reihe von Rationsbeispielen wurden von Bonsels und Weiss (2014) sowie Losand et al. (2020) zusammengestellt. Danach sind Einsatzmengen von bis zu 4 kg Lupine/Milchkuh und Tag gut möglich.

Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein geringer Teil der Lupinen-Alkaloide in die Milch übergehen kann (BfR 2022, 2024, Engel et al.
2022). Laut Ped et al. (2023) steigt mit zunehmenden Lupinenanteil in der Ration zwar der absolute Gehalt an Alkaloiden in der Milch, jedoch sinkt
gleichzeitig die Transferrate (Alkaloidgehalt in der Milch/Alkaloidgehalt in der Ration). Daher muss selbst die laut Durst et al. (2021) empfohlene Einsatzmenge von 4 kg Süßlupine/Milchkuh nicht zwangsläufig zu für die Humanernährung bedenklichen Alkaloidkonzentrationen in der Milch führen.
Es bedarf weiterer Untersuchungen, um Wissenslücken in diesem Bereich zu schließen. Das BfR hat in einer Stellungnahme (051/2024) einen Wert von
2600 mg Gesamt-QA/Tier und Tag als tägliche QA-Aufnahme für Milchkühe abgeleitet, bei denen auch bei hohem Verzehr von Milchprodukten keine gesundheitlichen Effekte zu erwarten sind. Auch für Kälber und Jungrinder gibt es aus Sicht des Futterwertes prinzipiell keine Einsatzbeschränkungen, vielmehr richtet sich der Anteil in der Ration nach dem Bedarf im jeweiligen Leistungsbereich. In der Rinder- und Lämmermast sollten Süßlupinen immer als hochwertige Ergänzung zu anderen Eiweißträgern eingesetzt werden. In der Bullenmast sind Einsatzmengen von bis zu 2 kg/Tag möglich, dennoch sollte ihr Anteil im Mischfutter 25 % nicht übersteigen. Bei Lämmern sind deren hohe Ansprüche an die Energie- und Proteinversorgung für eine ausreichende Wachstumsintensität und eine gut ausgeprägte Bemuskelung zu beachten. In Kombination mit anderen Eiweißträgern (andere Körnerleguminosen oder Extraktionsschrote) empfiehlt es sich, Anteile von 20 % nicht zu überschreiten (siehe Tabelle).

Tabelle: Empfehlungen zum maximalen Einsatz der Schmalblättrigen- und der Weißen Lupine in der Fütterung


Autorin:
Antje Priepke & Harald Sievers(LFA Mecklenburg-Vorpommern)

Gesellschaft zur Förderung der Lupine e. V. (2025): Lupinen – Anbau und Verwertung.
Die vollständige Literaturliste ist in der Broschüre enthalten.