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GFL-Jahrestagung 2026
Datum
20.01.2026 - 09:00 Uhr
bis
20.01.2026 - 15:30 Uhr
Ort
Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung (ZALF), Eberswalder Strasse 84, 15374 Müncheberg
Lupine im Aufbruch
GFL-Jahrestagung 2026 setzt Impulse für Anbau, Züchtung und Wertschöpfung
Müncheberg, 20. Januar 2026 – Die Jahrestagung der Gesellschaft zur Förderung der Lupine e. V. (GFL) wurde 2026 in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und dem LeguNet durchgeführt. Bereits zum zweiten Mal in Folge fand die Veranstaltung am ZALF in Müncheberg statt. Dabei wurde erneut deutlich: Die Lupine ist weit mehr als eine Kulturpflanze. Sie ist Hoffnungsträgerin für resiliente Landwirtschaft, pflanzliche Proteinstrategien, innovative Fütterungskonzepte und regionale Wertschöpfungsketten.

Durch das vielseitige Programm führte Dr. Sandra Kaminski, 2. Vorsitzende der GFL, mit fachlicher Präzision und spürbarem Engagement für das Thema. Unter dem Leitthema „Entwicklung und Perspektiven des Lupinenanbaus“ kamen Wissenschaft, Praxis, Züchtung, Verarbeitung und Marktakteure in einen intensiven Austausch zusammen.
Anbau im Wandel: Körnerleguminosen auf Wachstumskurs
Die aktuellen Zahlen zur Entwicklung des Körnerleguminosenanbaus stellte Dr. Jens Bojahr vor. Sie zeigen einen klar positiven Trend: Die Anbauflächen in Deutschland wachsen kontinuierlich. Neben Erbsen und Ackerbohnen gewinnen insbesondere Lupinen und Sojabohnen an Bedeutung, wobei sich die Sojabohne zuletzt besonders dynamisch entwickelt hat. Lupinen behaupten sich stabil als wichtige heimische Proteinquelle, insbesondere auf leichteren Standorten.


Auch im Ökolandbau spielen Körnerleguminosen eine zunehmend zentrale Rolle – Lupinen erreichen hier teils hohe Flächenanteile und tragen maßgeblich zur Stickstoffversorgung und Fruchtfolgevielfalt bei.
Sorten, Leistung und Praxis: Welche Lupinen überzeugen?
Ergebnisse aus ökologischen (Dr. Carolina Wegner, LFA MV) und konventionellen (Dr. Gunter Ebel, LELF) Landessortenversuchen geben Orientierung für den Anbau 2026. Für unterschiedliche Anbauregionen wurden leistungsfähige Sorten empfohlen – darunter bekannte Sorten wie Boregine, Carabor, Bolero, Celina und Frieda.
Neben dem Kornertrag rücken zunehmend qualitative und agronomische Merkmale wie Proteinqualität, Standfestigkeit, Reifeverhalten sowie Krankheitsresistenzen in den Fokus.
Alkaloide, Qualität und Züchtung: Forschung für sichere Lupinen
Die Alkaloidproblematik bei der schmalblättrigen Lupine stnd im Zentrum des Beitrags von Lucas Erdmann (JKI-ZL) zum Projekt LupiAlk (BMELH). Trotz jahrzehntelanger Züchtung auf alkaloidarme„Süßlupinen“ zeigt sich: dass die durch Selektion auf „süß“ entstandenen und heute genutzten Züchtungslinien teilweise deutlichen Umweltschwankungen unterliegen.. Insbesondere abiotischer Stress kann zu erhöhten Alkaloidgehalten führen. Ziel des Projekts ist daher die Erschließung neuer genetischer Ressourcen, die Entwicklung molekularer Marker, sowie die- Stabilisierung niedriger Alkaloidgehalte, um Feed- und Food-Sicherheit langfristig abzusichern.

Ergänzend dazu gab Dr. Grit Schwertfirm (LFL) einen Einblick in angewandte Forschung und Züchtung bei der Weißen Lupine. Thematisiert wurden Anthraknosetoleranz, Alkaloidarmut und deren Kombination und Kontrolle in Kreuzungsnachkommenschaften.
Neue Perspektiven in der Wurzelforschung zur schmalblättrigen Lupine eröffnete Dr. Fred Eickmeyer (ESKUSA) mit dem Projekt LupiRhiz (BMELH). Durch gezielte Selektion auf Wurzelarchitektur, Nährstoffeffizienz und Kalktoleranz sollen Ertragspotenziale besser ausgeschöpft und die Resilienz der Kultur weiter gesteigert werden – ein wichtiger Baustein unter sich verändernden Klimabedinungen.
Von der Pflanze auf den Teller – und in den Trog
Die Einsatzmöglichkeiten der Lupine entlang der Wertschöpfungskette wurden anhand mehrerer Praxisbeiträge deutlich:
Weiße Lupine in der Milchviehfütterung
Petra Kühne (LLG) stellte Fütterungsversuche vor, die belegen: Weiße Lupinen können erfolgreich in Milchviehration integriert werden, ohne Leistungseinbußen zu verursachen. Teilweise wurden positive Effekte auf Milchfett- und Eiweißgehalte beobachtet. Gleichzeitig bleibt das Thema Alkaloidaufnahme weiter im Blick der Forschung.
Lupine in der Aquakultur
Nico Jahnke von MV Zander präsentierte ein Praxisbeispiel zum Einsatz von Lupinen als regionaler Sojaersatz im Zanderfutter. Erste Versuchsergebnisse sind vielversprechend und verdeutlichen das Potenzial der Lupine als nachhaltige Proteinquelle in der Fischzucht.
Biofortifizierung & Ernährung der Zukunft
Gina Grimmer (Universität Potsdam) stellte das Projekt LuPhytSpE (EFRE) vor. Untersucht werden spurenelement-angereicherte Lupinen (z. B. mit Selen, Zink, Eisen), mit dem Ziel, Nährwert, Bioverfügbarkeit und Eignung für funktionelle Lebensmittel zu verbessern – ein Brückenschlag zwischen landwirtschaftlicher Produktion, Ernährungswissenschaften und Gesundheitsforschung.
Verarbeitung und internationale Perspektiven
Auch innovative Verwertungsansätze wurden vorgestellt. Rainer Langguth (Fortezza Espresso, Heide original) zeigte Möglichkeiten der Verarbeitung zu Lupinenkaffee auf und verdeutlichte das Marktpotenzial Im Rahmen der Tagung wurde der Lupinenkaffee zudem zur Verkostung angeboten, sodass sich die Teilnehmenden unmittelbar von Qualität, Geschmack und sensorischem Profil überzeugen konnten.

(Foto Anna Beyer)
Einen internationalen Unternehmensblick brachte David Loichen von Wide Open Agriculture ein. In seiner Betriebsvorstellung wurden Strategien zur Entwicklung neuer Märkte, zur Positionierung von Lupinenproteinen sowie zur internationalen Wertschöpfung dargestellt.
Fazit: Die Lupine ist Zukunft – und sie ist vernetzt
Die GFL-Jahrestagung 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass
die Lupine im Zentrum eines dynamischen Netzwerks aus Forschung, Praxis, Züchtung, Verarbeitung und Markt steht. Von der Sortenentwicklung über Fragen der Klimaanpassung bis hin zu Innovationen im Food- und Futtermittelsektor eröffnen sich neue Perspektiven für nachhaltige Wertschöpfung und regionale Proteinstrategien.
Oder, wie es viele Teilnehmende formulierten:
Die Lupine ist nicht nur Kulturpflanze – sie ist Zukunft, Vision und Gemeinschaftsprojekt.
Die Veranstaltung war rundum gelungen und zeichnete sich durch einen intensiven fachlichen Austausch sowie eine konstruktive, kollegiale Atmosphäre aus. Der besondere Dank gilt allen Referentinnen und Referenten für ihre fundierten Beiträge sowie den Teilnehmenden – sowohl in Präsenz als auch online – für die engagierten Diskussionen und den interdisziplinären Dialog. Auch kulinarisch wurde das Thema Lupine aufgegriffen: Ein Catering mit vielfältigen Lupinenprodukten bot Gelegenheit, die Bandbreite der Verarbeitungsmöglichkeiten unmittelbar zu erleben und zu verkosten und damit Theorie und Praxis auf genussvolle Weise zu verbinden.


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