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Lupinenkaffeetag bei Fortezza
Datum
14.03.2026 - 10:00 Uhr
bis
14.03.2026 - 15:00 Uhr
Ort
Fortezza
Schwabacher Str. 106 Malzböden
Sudhaus 3. OG
90763 Fürth
Der Duft von frisch gerösteten Bohnen liegt in der Luft, als sich an diesem Märztag eine kleine, aber vielfältige Runde in der Fortezza Rösterei versammelt. Neun Teilnehmende – Landwirte, Verarbeiter und Kaffeeenthusiasten kommen zusammen, um sich einer besonderen Frage zu widmen:
Wie schmeckt eigentlich Kaffee aus Lupinen?

Schon zur Begrüßung wird klar: Anstelle eines klassischen Fachtreffens findet hier ein lebendiger Austausch auf Augenhöhe statt. Mit einer Tasse Lupinenkaffee in der Hand stellt sich die Runde vom Biolandbetrieb bis hin zu passionierten Kaffeeliebhabern vor. Die Lupine verbindet sie alle, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.


Nach einer kurzen Einführung in die Arbeit des LeguNet, der Gesellschaft zur Förderung der Lupine (GFL) und der bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) öffnet sich die Tür zur Welt der Rösterei. Gastgeber Rainer Langguth gibt Einblicke in die Kunst des Röstens. Ein Handwerk, das Präzision, Erfahrung und vor allem Aufmerksamkeit verlangt. Schon kleine Veränderungen im Röstverlauf können das spätere Aroma entscheidend beeinflussen. Oder, wie es treffend beschrieben wird:
Rösten ist wie ein Käsekuchenrezept – jede Stellschraube verändert das Ergebnis.

Besonders spannend wird es beim direkten Vergleich von Kaffee und Lupine. Während Kaffeebohnen beim Rösten aufgehen, bleiben Lupinen eher kompakt und entwickeln dennoch ein erstaunlich vielfältiges Aromenspektrum. Von getreidigen Noten über popcornartige Röstaromen bis hin zu schokoladigen Nuancen zeigt sich schnell: Lupine ist nicht nur ein Ersatz, sie ist ein eigenes Produkt mit Charakter.
Der Höhepunkt des Tages ist das gemeinsame Cupping. Nach international standardisiertem Verfahren werden verschiedene Lupinenkaffeevarianten systematisch verkostet. Die beiden Sorten Boregine und Frieda wurden in drei unterschiedlichen Röstgraden getestet, ergänzt durch Blends und Referenzprodukte.
Mit Löffel und geschärften Sinnen tastet sich die Gruppe durch die Proben. Geschlürft wird bewusst laut , denn nur so verteilt sich das Aroma optimal im Mundraum. Die Eindrücke sind vielfältig, manchmal überraschend und immer wieder Anlass für intensive Diskussionen.
Deutlich wird: Der Röstgrad hat einen entscheidenden Einfluss auf das Geschmackserlebnis. Helle Röstungen zeigen mehr Komplexität und Körper, bringen aber auch eine ausgeprägtere Bitterkeit mit sich, insbesondere bei der blauen Lupine Boregine. Dunklere Röstungen hingegen wirken runder und zugänglicher, verlieren jedoch teilweise an Tiefe.

Auch zwischen den Sorten zeigen sich klare Unterschiede. Während die weiße Lupine Frieda von vielen als ausgewogen und angenehm wahrgenommen wird, überrascht Boregine mit einer spannenden geschmacklichen Entwicklung insbesondere beim Abkühlen, wenn sich zusätzliche Aromen entfalten. Die sensorischen Unterschiede werden in der grafischen Auswertung besonders deutlich (vgl. Abb. 1).

Abbildung 1: Sensorisches Profil der verkosteten Lupinenkaffees (Darstellung als Spinnennetzdiagramm auf Basis der Cupping-Ergebnisse). Unterschiede zwischen Sorte und Röstgrad werden visuell vergleichbar.
Ein weiterer zentraler Punkt: In Blends mit Kaffee tritt die Lupine sensorisch häufig in den Hintergrund. Für die Produktentwicklung bedeutet das eine klare strategische Frage:
Soll Lupine als eigenständiges Produkt überzeugen oder als Bestandteil eines harmonischen Gesamtbildes?
Neben der Sensorik rücken auch praktische Aspekte in den Fokus. Die Qualität und Sauberkeit der Rohware sind entscheidend für das Endprodukt, ebenso wie eine sorgfältige Verarbeitung. Gleichzeitig eröffnet Lupinenkaffee neue Perspektiven: Er ist koffeinfrei, regional verfügbar und unterliegt nicht der Kaffeesteuer. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Am Ende bleibt die Erkenntnis:
Die Lupine hat das Potenzial, sich als eigenständige Alternative im Kaffeesegment zu etablieren vorausgesetzt, Qualität, Verarbeitung und Kommunikation greifen ineinander. Formate wie dieser Lupinenkaffeetag zeigen, wie wichtig der direkte Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist. Damit wird deutlich: Die Lupine ist nicht nur Ersatz, sondern ein eigenständiger Akteur im Kaffeesegment mit spezifischem sensorischem Profil.
