Die Esskultur in Deutschland ist im Wandel. Die Zahl der vegetarisch und vegan lebenden Menschen wächst und mehr als die Hälfte der Bevölkerung möchte den Fleischkonsum reduzieren oder sieht sich als Flexitarier bzw. Flexitarierin. Das zunehmende Ernährungs- und Umweltbewusstsein zeigt sich in einer steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln, die regional und nachhaltig produziert werden. An Bedeutung gewinnt zudem eine gesteigerte Transparenz in der Lieferkette, die Verwendung von Rohstoffen pflanzlichen Ursprungs und ein hoher Gesundheits- und Wohlfühlwert. Die Zunahme ernährungsbedingter Krankheiten in den westlichen Industriegesellschaften erhöht die Dringlichkeit, vorbeugende, innovative Ernährungsstrategien auf der Grundlage gesundheitsfördernder Lebensmittel zu entwerfen. Auch die Planetary Health Diet verbindet eine ausgewogene Ernährung mit dem Schutz der Erde. Dabei spielen Hülsenfrüchte mit einer empfohlenen täglichen Verzehrsmenge von 75 g eine bedeutende Rolle. In den neuen DGE-Empfehlungen vom März 2024 werden die Hülsenfrüchte als wertvolles und vielseitiges Lebensmittel besonders betont. Die Körnerleguminosen aus heimischem Anbau – darunter auch Lupinen – bieten vor diesem Hintergrund ein hohes Innovations- und Wertschöpfungspotenzial für den Lebensmittelbereich.

Mit ihren besonderen Inhaltsstoffen stellen Lupinen eine vielversprechende Rohstoffbasis für die Entwicklung neuer und nachhaltiger Lebensmittel dar.

Körnerleguminosen sind eine traditionelle Quelle von Protein und Öl für die menschliche Ernährung. Lupinen zählen mit zu den ältesten Kulturpflanzen und werden in den Mittelmeerländern (Lupinus albus) und in Südamerika (L. mutabilis) seit mehr als 2000 Jahren als hochwertiges eiweiß- und kohlenhydratreiches Grundnahrungsmittel geschätzt. In Deutschland stieg das Interesse am Lupinenanbau durch die in den Notzeiten des Ersten Weltkrieges und der in den darauffolgenden Jahren offenkundig werdenden Eiweißmangelsituation. „Zur Belebung des Interesses an der Lupine überhaupt war offenbar keine Anstrengung zu groß. Im Oktober 1918 gab in Hamburg die Vereinigung für Angewandte Botanik ein „Lupinenfestessen“. Auf einem Tischtuch aus Lupinenfasern wurden serviert eine Lupinensuppe, ein in Lupinenöl gebratenes und mit Lupinenextrakt gewürztes Lupinensteak. Dazu wurden gereicht Lupinenmargarine mit 20 % Lupinenbestandteilen, Käse aus Lupineneiweiß, Lupinenschnaps und Lupinenkaffee. Erhältlich waren außerdem Lupinenseife zum Händewaschen, Papier und Briefumschläge mit Lupinenklebstoff zum Schreiben“ (Hondelmann 1984). Aus dem Artenspektrum ist in Europa bislang insbesondere die Weiße Lupine (L. albus) für die menschliche Ernährung genutzt worden, bis ihr Anbau durch die Pilzkrankheit Anthraknose in den 90er Jahren zusammenbrach und erst mit der Züchtung anthraknosetoleranter Sorten seit 2019 wieder an Bedeutung gewann. In den vergangenen 20 Jahren erlangte auch die Schmalblättrige (Blaue) Lupine (L. angustifolius) als Quelle von Protein und Ballaststoffen für die Speiseanwendungen an Relevanz. Mittlerweile werden in Deutschland beide Lupinenarten für die Herstellung von Lebensmitteln verwendet. In Südamerika ist die Andenlupine (L. mutabilis) eine traditionelle Nahrungspflanze.

Lupinenbrot (©Rebecca Thoma)

Autoren: Rebecca Thoma & Petra Zerhusen-Blecher

Gesellschaft zur Förderung der Lupine e. V. (2025): Lupinen – Anbau und Verwertung.
Die vollständige Literaturliste ist in der Broschüre enthalten.